2. Juni bis 2. Juli 2017
Vernissage:1. Juni 2017, 19 Uhr 30

RadIkal. HOCHDREI
…ist der Titel des 3. Zyklus von „radIkal“ im Kunstverein Steyr. Bernadette Huber, Ingrid Tragler und Doris Neidl präsentieren dazu ihre Werke.
Nach einer intensiven Überlegungs- und Diskussionsphase haben diese drei Künstlerinnen ihre „Radikalität“ in Bildsprache gebracht. Kontrovers, allerdings auch sich gegenseitig steigernd, was nicht zuletzt durch das HOCH DREI zum Ausdruck gebracht werden soll. Bernadette Huber bricht mit einer herausfordernden Montage eines historisch erotischen Bildes, das sie in ihr eigenes verwandelt, in das Empfinden des Betrachters ein und fordert ihn zur Stellungnahme heraus. Spannungsvoll führt genauso Ingrid Tragler mit ihren Werken in die substantiellen und existentiellen Ebenen und Tiefen der eigenen Person der Betrachter. Herausfordernd und existenziell ansprechend sind daher diese radikal diametralen Positionen der jeweils auf ihre Art emotionalisierenden Künstlerinnen. Doris Neidl setzt mit von ihr bearbeiteten Porträts zwölf historisch radikaler Frauen einen weiteren Akzent. Mit rotem Faden werden die Bilder dieser Frauen bestickt. Mit dem als spezifisch weiblich zugeordneten Sticken soll die radikale Spannung zwischen ruhiger Kraft und Verwundbarkeit vor Augen geführt werden. Damit wird eine dritte Ebene des Betrachtens, die der geschichtlichen Auflehnung, in die Ausstellung eingebracht.
Die Besucher werden somit aufgefordert nicht nur das von den Künstlerinnen Gezeigte aufzunehmen, sondern sich selbst in eine radikale Beziehung zu den Inhalten der Werke zu setzen. Drei intensiv bewegende und eindringliche Ausdrucksweisen von enorm ansprechenden Künstlerinnen sind so bei dieser Ausstellung zu finden.

Im Einzelnen:
Bernadette Huber (www.bernadettehuber.at)
Kunst, die berührt. (aus der Reihe: „Die Macht des Tratsches“) von Bernadette Huber stellt ein Pasticcio des Bildnisses „Gabrielle d’Estrées und eine ihrer Schwestern“ (um 1594, Schule von Fontainebleau, Louvre) in der Tradition der manieristischen Montage dar. Das enigmatische und erotische Bildnis – beide Frauen, verkörpert durch die Kunstfigur HUBERnadette, sind unbekleidet, eine der beiden greift der anderen an die Brustwarze – wird im Galerieraum als Triptychon mit zwei Videomonitoren inszeniert, auf denen der andere Part des Projektes zu sehen ist: Ab 29. 5. fährt ein Bus beklebt mit dem rätselhaften Bildnis durch die Stadt. Statt auf Werbung trifft man auf Kunst, Kunst, die berührt. – Wird Steyr diesem Stresstest standhalten können?

Ingrid Tragler (www.ingridtragler.at)
Verborgen und inszeniert. Was wird sichtbar, wenn die Selbstinszenierung Risse bekommt? Die oberösterreichische Künstlerin Ingrid Tragler begibt sich in ihrer künstlerischen Arbeit auf die Suche nach dem Darunterliegenden, dem Verschütteten und Verborgenen – im weiteren Sinn auf die Suche nach sich Selbst. Zehn großflächige Farbfelder sind dicht aneinandergereiht. Eine in Siebdrucktechnik entstandene Patina-Optik verweist auf eine in mehreren Schichten aufgebaute Oberfläche. Die Bilder zeigen Linien und feine Risse, die eine darunterliegende Ebene freilegen. Fragmentarisch ist eine Fotografie zu erkennen. Es ist ein Porträt der Künstlerin.
Die Inszenierung der eigenen Person ist auch Thema ihrer zweiten im Kunstverein Steyr ausgestellten Arbeit. Unterschiedlich breite Textilstreifen zieren eine 30 Meter lange Wand. Wie bei einem Strichcode sind diese in einem strengen Raster zueinander angeordnet. Die zwei Meter hohe Zeichenabfolge codiert den Namen der Künstlerin. Der Code dient hier auch als Synonym für die Normierung und die Warenförmigkeit in der Kunstwelt.

Doris Neidl (http://www.dorisneidl.net)
Women of History – eine Hommage. In dieser Ausstellung stellt Doris Neidl den ersten Teil ihres fortführenden Projekts “Women of History” vor. Sie portraitiert zwölf radikal denkende Frauen der Geschichte, wie z. B.: Harriet Tubman, Martha Graham, Hannah Arendt. Kompromisslos sind diese Frauen ihren Weg gegangen, und dienen der Künstlerin als Quelle der Inspiration. Neidl verwendet den Transferdruck und stickt mit einem roten Faden über die Bilder der Frauen. Sticken wird mit weiblicher Handarbeit konnotiert. Verwurzelt im Persönlichen doch auch vom Politischen geprägt, zeigt Stickerei die Macht des politischen zum persönlichen Leben, sowie die politischen Implikationen der persönlichen Beziehungen. Über Jahrhunderte hinweg fördert die Stickerei die Unterwerfung unter die Normen des weiblichen Gehorsams, fungierte jedoch auch immer mehr als Waffe des Widerstands. Der rote Faden steht für eine (Leit-) Linie oder eine Spur an der man sich richten kann. Da er sich wie ein Weg durch Handlungen, etc. zieht und die auffällige Farbe Rot hat, kann man sich gut an ihm orientieren. Auf diesem Hintergrund basieren Doris Neidls Portraits. In stundenlanger, kontemplativer Handarbeit, stellt sich Neidl so selbst in Beziehung zu diesen Frauen.